Castillische
Nächte
Teil
3
Nach der hübschen, kleinen Schlägerei, fühlen sich Ana Maria und Leonora doch sehr dazu genötigt, den Weg nach draussen anzutreten und den Kopf in den dortigen Wassertrog zu tauchen, was Paolo doch sehr in Erstaunen versetzt, ist dies doch keineswegs parfümiertes Badewasser, das sehr viel angemessener wäre.
Nach der kurzen Wäsche wird es allerdings Zeit, das weitere Vorghen zu planen und so erfolgt eine weitere Beratung im Inneren der Taverne, nach der sich alle trennen, um Informationen zu beschaffen, sofern dies möglich ist. Paolo schläft sich allerdings zunächst einmal richtig aus, während Juan den Weg zur Stierkampfarena auf sich nimmt und dort auf Carolina trifft, die sich um die Verwaltung kümmert und ebenso zu Los Vagos gehört. Carolina kann keine Informationen über den Mann mit der Narbe liefern, verspricht Juan jedoch, sich bei Don Andres Bejarano del Aldana um eine Einladung zum Ball des Königs zu kümmern, der den Endpunkt der Zeit bildet.
Währenddessen geht Ana Maria zu dem hiesigen Treffpunkt der Ritter von Rose und Kreuz, der Villa des Mäzen Don Enrique Soldano y Rios, der diese zur Verfügung der Ritter stellt, wenn sie einen Unterschlupf benötigen. Auch er kann keine Informationen liefern und schlägt einen Besuch bei Hofe vor, verspricht ihr jedoch, sie auf dem Ball als seine Nichte auszugeben, wenn es nötig sein sollte. Was Leonora in dieser Zeit tut, wird jedoch nicht bekannt.
Am Morgen treffen sich alle wieder und besprechen ihre neuen Informationen. Dabei wirkt Leonora ein wenig blass und abgespannt, spricht jedoch als Grund von schlechten Träumen in der Nacht. Nach einer Weile bittet sie Juan, mit ihr hinauszukommen, um etwas persönliches zu besprechen. Der Matador folgt ihr sogleich, wird jedoch überrascht, als sie ihn nur mit einem verführerischen Augenaufschlag ansieht, sich nähert und dreimal seinen Namen ausspricht, bevor sie ihn küsst. Nach getaner Arbeit lässt sie den verwirrten Matador einfach stehen und geht hinein – denn dies war alles, was sie ihm sagen wollte.
Nun ist es erneut an der Zeit sich zu trennen und Ana Maria und Leonora begeben sich zu dem Haus der Sorte Strega, um sich dort als Waschweiber zu kleiden. Vielleicht kann man am Ende auf diese Weise etwas mehr herausfinden. Ana Maria ist ein wenig erstaunt über den vollen Kleiderschrank und die vielfältigen Dinge darin nebst den schwarzen Kleidern, doch noch ist nicht die Zeit für Fragen gekommen und so geht es also mit einem Korb Wäsche zum Anwesen der Sandoval.
Leider sind die Wachen nicht allzu unvorsichtig und so wundern sie sich sogleich, als die beiden Damen über den Haupteingang hereinkommen und doch viel zu spät sind. Leonora täuscht schnell eine Schwangerschaft bei Ana Maria vor, die an der Verspätung schuld ist und die Wachen lassen die Frauen zumindest eintreten, bis sie den falschen Weg in die Lustgärten des Königs einschlagen und erneut aufgehalten werden. Diesmal täuscht Ana Maria noch einmal eine morgendliche Übelkeit vor und schlägt sich in die Büsche, bevor die Wachen sie weitergehen lassen. Doch auch auf der anderen Seite haben sie kein Glück, wenn man davon absieht, daß die Wachen das schwangere Waschweib und ihre Begleiterin nach Hause senden möchte. Auch die Ausrede erst seit dem Vortag hier zu arbeiten hilft nun leider nichts mehr und so müssen die Frauen unverrichteter Dinge wieder abziehen, nachdem Ana eine Tarnpause eingelegt hat. Leider müssen die Damen den Korb mit der Wäsche abgeben, was Leonoras Wäscheschrank empfindlich trifft, doch besser so, als Rede und Antwort stehen zu müssen, warum sie des Königs Unterwäsche entführen.
Die Männer sind in der Kathedrale La Trinedad ebenso wenig erfolgreich, denn in dem prachtvollen Kathedralenbau ist weit und breit kein Priester zu sehen, geschweige denn der Kardinal, also müssen sie sich zunächst damit begnügen Kerzen zu entzünden und Theus ein Gebet zu widmen.
Nach dieser Zwiesprache beschließt Juan beichten zu gehen, was schließlich in einer Strafpredigt von Seiten des Priesters endet, der nur zu genau weiß, mit wem er es hier zu tun hat und ihm einiges zu tun aufgibt. Schade nur, daß der Matador seine Sünden weder bereut, noch ernstlich aufgeben möchte...
Nun ist die Siesta angebrochen und Ana Maria nutzt diese Zeit, um Leonora einige Fragen zu stellen über ihren Lebensunterhalt und ihre Vergangenheit. Leonora antwortet so gut sie es vermag, ohne ihre wahre Tätigkeit für Sophias Töchter aufzudecken, doch es steht fest, daß ein gewisses Mißtrauen bestehen bleibt.
Nun wird es Zeit für ein erneutes Treffen, doch keiner kann Neuigkeiten vorweisen und so wird ein weiterer Beschluß gefasst – die nachmittägliche Audienz des Königs kann vielleicht weiterhelfen. Gesagt, getan. Die Helden mischen sich unter das zahlreich erscheinende Volk und werden zum ersten Mal Zeugen des Schauspiels zwischen König, Kardinal und Don Aldana. Hier fällt beinahe eine streng gekleidete, wenn auch sehr streng wirkende Frau auf, die die Helden beobachtet. Paolo nutzt die Gelegenheit sie anzusprechen und findet dabei heraus, daß sie sehr kardinalsbezogen wirkt und den Mann dort oben bei dem Thron des Königs wahrhaftig zu verehren scheint. Er fragt sie zwar ein wenig aus, erlangt doch wenig mehr als ihre Adresse, wo er sie antreffen kann, um mehr über Castillien zu lernen. Es bleibt nicht viel mehr, als die Kenntnis ihres Namens Doňa Estella Velasquez y Rios.
Juan geht währendessen zu dem geheimnisvollen Mann, der das Gespräch neugierig beobachtet hat. Don Alejandro Montoya y Ontiveros gibt jedoch noch weniger von sich preis und stellt sich lediglich als Bewunderer der Frauen vor, der sich beinahe auf der Stelle Ana Maria vorstellen lässt. Es folgt ein charmantes, sehr kurzes Gespräch, bei dem er Anas Aufenthaltsort erfragt und sich danach mit einem galanten Handkuss verabschiedet. Juan gefällt dies zwar wenig, doch Ana Maria versucht sogleich seine Zweifel an ihrer Zuneigung zu ihm zu zerstreuen.
Auch Leonora nähert sich nun Paolo und möchte zu gerne wissen, was er erfahren hat, zieht ihn dabei doch aus der Nähe Doňa Estellas, so daß er es kaum bemerkt, als ein Diener, auf den jene Beschreibung passt, auftuacht und sich an Estella wendet, bevor er schleunigst verschwindet.
Schnell beginnt Juan ihm nachzulaufen, so unauffällig er dies vermag und auch Ana Maria zögert nicht lange und tut es ihm nach. Eine leicht unerfreute Leonora verlässt ebenfalls Paolo, der alles mit einem lockeren Spruch kommentieren möchte, so daß ihm, der darin ganz andere zwischenmenschliche Abgründe zu erkennen meint, wenig anderes übrig bleibt, als seiner Neugier nachzugeben und den Dreien ebenfalls zu folgen.
Leider ist der Diener nicht mehr zu sehen und Leonora scheint Ana und Juan nur zu gerne von der Idee abbringen zu wollen, daß Estella eine Gefahr darstellt, indem sie abfällig über sie spricht. Es kommt zu einer Konfrontation, denn Ana fragt sich langsam, warum die Vodacce auf der Seite des Kardinals und seiner Anhängerin zu stehen scheint, während Paolo nichts mehr versteht.
Schnell geht es zur Arena, die von Juan als sicherer Ort vorgeschlagen wird, denn es wird Zeit zu reden. Hoch oben auf den Rängen kommt es nun zu einem dramatischen Gespräch, bei dem sich zumindest Ana, Juan und Leonora gegen den Kardinal stellen und Leonora enthüllt, daß sie eine Schicksalshexe ist, als es um die Frage geht, ob Paolo ein Verräter sei. Dieser ist entsetzt über diese Offenbarung und geht in Abstand zu der Vodacce. Sein „Strega!“ klingt abwertend und voller Abscheu. Endlich wird klar, was Leonora möchte, denn sie will, daß der Ring, der sich bei Estella befindet, genau dort verbleibt, um dieser Frau eine Möglichkeit zu geben, an den Kardinal heranzukommen, indem sie sein Vertrauen in Doňa Rioja erschüttert. Schließlich geht es hier um mehr, denn die Möglichkeit, daß der Kardinal seine Finger im Spiel hatte, als Prinz Javier verschwand und die Möglichkeit, daß der rechtmäßige König noch lebt, besteht unbestreitbar und Leonora gibt preis, daß es Menschen gibt, die an seiner Rückkehr interessiert sind und ihn finden möchten.
Dies ist eine Sache, für die es sich auch für Ana Maria und Juan zu kämpfen lohnt, wenn auch das Mißtrauen gegenüber der Schicksalshexe weiterhin besteht. Dennoch schenkt Ana ihr das Vertrauen und so wird zumindest eine vorsichtige Zusammenarbeit möglich.
Doch noch eine Lücke existiert, denn Paolo ist gar nicht davon begeistert sich in die große Politik zu mischen und er stellt sich quer. Der junge Vodacce kann kaum abschätzen, in was er hier gerät und er fühlt sich nicht wohl dabei, sein Wort gegenüber einer Dame zu brechen. Wenig nutzt etwas und er schlägt jedes Angebot aus, ganz gleich ob es um Ruhm, Ehre, Geld oder die Rettung eines Volkes und des jungen Königs geht, denn hier geht es um sein Versprechen.
Schließlich fordert Juan eine Entscheidung und so geht der stolze Matador mit den Worten, daß Paolo eine Stunde bleibt, um die Entscheidung zu treffen, in die Arena hinab. Wenn der Vodacce ihm dann hinabfolgt, wird ein Duell auf Leben und Tod über diese Angelegenheit entscheiden.
Dramatische Minuten verstreichen, bis Paolo seine Entscheidung getroffen hat. Ja, er wird ihnen folgen, nun da sie unter Beweis gestellt haben, wie weit sie für ihr Ziel gehen möchten, doch ein deutliches Mißtrauen verbleibt, hat der junge Vodacce doch gar zu arg die Geduld der anderen strapaziert und liegt ihr Leben doch mit in seinen Händen.